{"id":7048,"date":"2020-08-14T13:51:58","date_gmt":"2020-08-14T11:51:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=7048"},"modified":"2020-08-26T16:21:12","modified_gmt":"2020-08-26T14:21:12","slug":"zugspitze-die-geschichte-des-hoechsten-deutschen-gipfels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/ratgeber\/zugspitze-die-geschichte-des-hoechsten-deutschen-gipfels\/","title":{"rendered":"Zugspitze: Die Geschichte des h\u00f6chsten deutschen Gipfels"},"content":{"rendered":"<p>200 Jahre ist es inzwischen her, dass Deutschlands h\u00f6chster Berg zum ersten Mal bestiegen wurde: Am 27. August 1820 erreichten Josef Naus und seine Begleiter \u2013 der Bergf\u00fchrer Johann Tauschl und ein Messgehilfe \u2013 die 2962 Meter hohe Zugspitze im Wettersteingebirge.<\/p>\n<p>Von der Einsamkeit, die sie damals gesp\u00fcrt haben d\u00fcrften, ist heute nicht mehr viel \u00fcbrig: Inzwischen wird Deutschlands h\u00f6chste Erhebung von j\u00e4hrlich mehr als einer halben Million Touristen besucht \u2013 und das in Rekordzeit: Acht Minuten und 47 Sekunden, so lange braucht die 2017 eingeweihte neue Seilbahn f\u00fcr die 1945 H\u00f6henmeter vom Eibsee bis zur Bergstation. Wer den Gipfel zu Fu\u00df besteigen will, ben\u00f6tigt deutlich mehr Zeit: eine Variante f\u00fchrt in drei Tagen auf der historischen Route durch das Reintal.<\/p>\n<p>An Deutschlands wohl ber\u00fchmtesten Gipfelkreuz muss man dann allerdings f\u00fcr das Gipfelselfie Schlange stehen. Immerhin l\u00e4sst sich dabei eine atemberaubende Aussicht genie\u00dfen:\u00a0 Bei guter Sicht blickt man von der Zugspitze rund 250 Kilometer weit auf \u00fcber 400 Gipfel, darunter den Feldberg im <a href=\"https:\/\/www.kompass.de\/wanderkarte\/region\/100037-schwarzwald\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"2\" title=\"Wanderkarte Schwarzwald\">Schwarzwald<\/a>, den Watzmann in den Berchtesgadener Alpen oder den Gro\u00dfglockner, den h\u00f6chsten Berg \u00d6sterreichs. Es gibt wohl keinen anderen deutschen Gipfel, der derart leicht erreichbar ist und ein derma\u00dfen grandioses 360-Grad-Panorama bietet.<\/p>\n<p>Gipfelselfie oder sportliche Ambitionen hatten die Erstbesteiger vor 200 Jahren \u00fcbrigens nicht im Sinn. Josef Naus war Tiroler Vermessungstechniker in Diensten des bayerischen K\u00f6nigs Maximilian I., seine Mission: Wissenschaftlich feststellen, ob es sich beim h\u00f6chsten Gipfel des Wettersteingebirges wirklich um den h\u00f6chsten Gipfel Bayerns handelte.<\/p>\n<p>Aber gehen wir mal noch ein St\u00fcck weiter zur\u00fcck:<\/p>\n<h4>R\u00fcckblick: Wie war das 1774?<\/h4>\n<p>Auf dem ber\u00fchmten \u201eAtlas Tyrolensis\u201c von 1774 ist von der Zugspitze noch nichts zu sehen: Neben den wirtschaftlich interessanteren T\u00e4lern, Almen und Bergbaugebieten verzeichneten die Tiroler Kartographie-Pioniere Peter Anich und Blasius Hueber nur \u201eauf Blattach\u201c (eben jenes \u201ePlatt\u201c) und den \u201eBlattacher Ferner\u201c (den heute bis auf zwei geringe Firnreste abgeschmolzenen Schneeferner), die \u201eH\u00f6hlethal Schrofen\u201c (den wilden Felskamm der H\u00f6llentalspitzen) und zwei Gipfel mit der Bezeichnung \u201eWetterstein\u201c, \u00fcber denen die Menschen seit jeher meteorologische Ver\u00e4nderungen ablasen.<\/p>\n<h4>\u201eErschr\u00f6ckliche\u201c Geschichten \u00fcber Berggeister<\/h4>\n<p>Etwa zur gleichen Zeit, zwischen 1750 und 1780, fertigte auch ein einheimischer F\u00f6rster eine <a href=\"https:\/\/www.kompass.de\/wanderkarte\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"1\" title=\"Wanderkarte\">Karte<\/a> des Zugspitzgebiets an, und zwar mit genauen Wegbeschreibungen. Beispielsweise f\u00fcr den Weg von <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.49169,11.09550\">Garmisch-Partenkirchen<\/a> durch das Reintal \u201eybers blath uf Zugspitz\u201c veranschlagte er \u201e8 1\/2 Stundt\u201c. Obwohl seit Jahrhunderten \u201eerschr\u00f6ckliche\u201c Geschichten \u00fcber Berggeister kursierten, waren offenbar schon sehr fr\u00fch Menschen in der Gipfelregion unterwegs \u2013 zur Jagd oder auf der Suche nach verirrten Schafen, ziemlich sicher auch mit ru\u00dfgeschw\u00e4rztem Gesicht zum Wildern oder mit Schmuggelgut auf dem Buckel.<\/p>\n<h4>Erste Ersteigung der Zugspitze<\/h4>\n<p>Die erste verb\u00fcrgte Ersteigung der Zugspitze gelang dann Joseph Naus, einem Leutnant der bayerischen Armee, am 27. August 1820 mit dem Partenkirchner F\u00fchrer Johann Georg Tauschl. Beim Abstieg \u00fcberraschte die Gruppe ein Unwetter, aber auch die Spalten des damals noch ausgedehnten Schneeferners sorgten f\u00fcr Angst und Schrecken. Es folgten weitere Ersteigungen auf allen erdenklichen Routen, der Bau eigener Bergsteiger-Unterk\u00fcnfte wie der Knorrh\u00fctte (1855) oder der H\u00f6llentalangerh\u00fctte (1893) sowie die Anlage von Gipfelwegen, die stellenweise aus dem Fels gesprengt bzw. mit Stahlseilen und Metallstiften gesichert wurden.<\/p>\n<h4>Das erste Kreuz<\/h4>\n<p>1851 entstand das erste Kreuz auf dem Westgipfel. Es hielt Blitzen und Schneest\u00fcrmen stand, nicht aber dem Willen der Alpenvereinssektion <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/wanderkarte\/dest\/100022-muenchen-und-umgebung\/\">M\u00fcnchen<\/a>, auf dem h\u00f6chsten Punkt des damaligen Deutschen Reiches ein Schutzhaus zu errichten. 1897 war der Urbau des M\u00fcnchner Hauses fertig; im folgenden Jahr fanden hier bereits 1800 Besucher ein Dach \u00fcberm Kopf. Allerdings rief das Vorhaben auch Gegner auf den Plan, weil man \u201edie stumpfsinnige Masse nicht auf den Gipfel hinauflocken\u201c wollte. Als h\u00e4tte man geahnt, was noch folgen sollte: Um 1900 entstand ein Turm neben der H\u00fctte, von dem das Wetter t\u00e4glich \u00fcber eine 21 Kilometer lange Telefonleitung nach Partenkirchen gemeldet wurde. W\u00e4hrend der Wintermonate mussten die Wetterwarte zun\u00e4chst allein auf dem Berg ausharren.<\/p>\n<h4>Die erste Zugspitz-Seilbahn<\/h4>\n<p>Das \u00e4nderte sich erst 1926, als die <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/wanderkarte\/dest\/30020-tirol\/\">Tiroler<\/a> die erste Zugspitz-Seilbahn er\u00f6ffneten: Ihre Talstation steht in der N\u00e4he von Ehrwald, die Bergstation unter dem Westgipfel, wo auch das damals h\u00f6chstgelegene Hotel <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/wanderkarte\/dest\/10002-oesterreich\/\">\u00d6sterreichs<\/a> entstand. Mit der Realisierung der bayerischen Zahnradbahn bekam auch das \u201ePlatt\u201c eine entsprechende Herberge samt Seilbahn zum Gipfel: Das f\u00fcr die damalige Zeit luxuri\u00f6s ausgestattete Schneefernerhaus, in dem zum Beispiel Deutschlands \u201eoberster\u201c Fris\u00f6r wirkte, entwickelte sich bald zum Zentrum des Skibetriebs. Heute reichen die Liftanlagen bis auf die H\u00f6he der Knorrh\u00fctte hinunter.<\/p>\n<h4>Der Turmbau zu Babel&#8230;<\/h4>\n<p>Seit den 1960er Jahren surrt auch von der deutschen Seite eine Seilbahn herauf, w\u00e4hrend sich rund um das Gipfelhaus \u2013 wie beim Turmbau zu Babel \u2013 immer mehr wissenschaftliche und touristische Einrichtungen anlagerten: von einer zweiten, unbemannten Wetterstation der \u00d6sterreicher bis zur Multivisionsshow, vom Geldautomaten bis zum h\u00f6chstgelegenen Biergarten Bayerns. Im Messturm der nach wie vor st\u00e4ndig besetzten deutschen Wetterstation erfasst man heute eine breite Palette meteorologischer Parameter, die viele Grunddaten f\u00fcr die Klimaforschung liefern. Ein Gipfelkreuz hat die Zugspitze \u00fcbrigens auch wieder: Es steht \u2013 etwas abgedr\u00e4ngt und nur mit Hilfe von Sicherungen erreichbar, aber frisch renoviert \u2013 auf dem schroffen Ostgipfel.<\/p>\n<h4>Und woher kommt nun der Name?<\/h4>\n<p>Warum hei\u00dft die Zugspitze eigentlich Zugspitze? Man geht heute davon aus, dass sich der Name von den &#8222;Zugbahnen&#8220; der Lawinen ableitet, die im Winter von den steilen Nordw\u00e4nden und am Hauptgipfel ins Tal donnern. Auch im Tal tauchen mehrere Gebiete mit \u00e4hnlichem Namensbezug, z.B. Zugwankel oder Zuggasse. Bis ins 19. Jahrhundert war \u00fcbrigens der Name &#8222;der Zugspitz&#8220; gebr\u00e4uchlich, erst danach wurde daraus &#8222;die&#8220; Zugspitze.<\/p>\n<p class=\"p5\" style=\"text-align: left;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>200 Jahre ist es inzwischen her, dass Deutschlands h\u00f6chster Berg zum ersten Mal bestiegen wurde: Am 27. August 1820 erreichten Josef Naus und seine Begleiter \u2013 der Bergf\u00fchrer Johann Tauschl und ein Messgehilfe \u2013 die 2962 Meter hohe Zugspitze im Wettersteingebirge. 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