{"id":6931,"date":"2017-12-29T12:03:37","date_gmt":"2017-12-29T11:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=6931"},"modified":"2019-02-01T11:41:07","modified_gmt":"2019-02-01T10:41:07","slug":"hochstubai-skihochtouren-klassiker-par-excellence","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/inspiration\/hochstubai-skihochtouren-klassiker-par-excellence\/","title":{"rendered":"Hochstubai: Skihochtouren-Klassiker par excellence"},"content":{"rendered":"<p>Als <strong>Hochstubai<\/strong> wird der Bereich der <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/skitourenkarte\/dest\/100212-stubaital\/\">Stubaier Alpen<\/a> mit den h\u00f6chsten Bergen und Graten zwischen Schrankogel, Ruderhofspitze und dem Wilden Freiger bezeichnet. Die breiten und langgezogenen, meist mit Steilstufen garnierten und dennoch meist wenig spaltigen <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/sicherung-auf-dem-gletscher\/\">Gletscher<\/a> des klassischen Fr\u00fchjahr-Skitourenreviers sind eingebettet in schroffe dunkle Zentralalpengrate. Am Gipfel angekommen, findet sich h\u00e4ufig eine rassige Abfahrtsvariante, die den Tourcarver in die Tiefe und den Pulsschlag in die H\u00f6he schie\u00dfen l\u00e4sst. Darunter liegen gletschergerundete T\u00e4ler, die z\u00fcgige Aufstiege und Abfahrten versprechen, sieht man von einigen rechten Hatschern wie an der Franz-Senn-H\u00fctte ab.<\/p>\n<p>Die L\u00e4nge der Routen schwankt vom Tal aus zwischen 1.300 und 1.700 H\u00f6henmetern \u2013 die <strong>Stubaier Alpen sind also nichts f\u00fcr Konditionsschwache<\/strong>. Selbst bei klassischen H\u00fcttentouren muss man noch bis zu 1.400 H\u00f6henmeter, oft inklusive Gletscherausr\u00fcstung bis zum meist felsigen Gipfel bew\u00e4ltigen: Die Touren des Hochstubai sind ideal geeignet f\u00fcr Fortgeschrittene oder Hochtouren-Einsteiger unter Anleitung. Fast alle Skiberge sind aus dem <a href=\"https:\/\/www.kompass.de\/regionen\/wandern-stubaital\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"20\" title=\"Wandern im Stubaital\">Stubaital<\/a> zug\u00e4nglich.<\/p>\n<h4>Oberbergtal<\/h4>\n<p>Einer der <strong>bekanntesten Hochtourenst\u00fctzpunkte Tirols<\/strong> ist die Franz-Senn-H\u00fctte \u2013 benannt nach dem Ende des 19. Jahrhunderts im Stubaital lebenden Alpinisten und Gletscherpfarrer Franz Senn, Mitbegr\u00fcnder des Deutschen Alpenvereins und Initiator des H\u00fcttenbaus. Der Vier-Kilometer-Hatscher von Seduck bis zum Aufstieg zur Franz-Senn-H\u00fctte (2.149 m) bereitet schon mal auf die Wehen einer klassischen Skihochtour vor: Ein langer flacher Talzustieg, gefolgt von vielen H\u00f6henmetern kennzeichnet die gro\u00dfen Touren um den Alpeiner Ferner. Nicht jedoch den genussvollen, relativ gleichm\u00e4\u00dfig geneigten und lawinensicheren Aufstieg zur Inneren Sommerwand (3.123 m, 1.000 Hm, 3 Std.), der gerne als Schlechtwetter- oder Ausstiegstour unter die Brettl genommen wird. Denn steigt man bei der Abfahrt vom Stiergschwez kurz auf zum Gschwezgrat, l\u00e4sst sich \u00fcber den Kuhgschwez direkt nordseitig ins Tal abfahren.<\/p>\n<p>Ebenfalls nicht wild, aber deutlich l\u00e4nger ist die <strong>Tour zum Wilden Hinterbergl<\/strong> (3.288 m, 1.150 Hm, 4 Std.) \u2013 zumindest wenn man den unteren Teil des zerkl\u00fcfteten Berglasferners umgeht und ihm in einer weiten Schleife \u00fcber den Verborgen-Berg-Ferner und die Turmscharte aufs Firnhaupt steigt. Eindrucksvoll rahmen von hier oben die firnbezogenen Eisflanken des Schrankogels und der Seespitzen die felsigere Ruderhofspitze und die etwas fernere, wei\u00dfe Haube des Zuckerh\u00fctls ein. Gleitet man von der Gletscherzunge des Alpeinerferners auf knapp 2.700 Meter statt rechts zum Verborgen-Berg-Ferner links zum Alpeiner Kr\u00e4ulferner hinauf, befindet man sich auf der relativ wenig begangenen Rassetour zur \u00d6stlichen Seespitze (3.416 m, 1.250 Hm, 4 Std.). Ab etwa dreitausend Meter befindet sich hier im Sommer eine vierzig Grad steile Eisflanke, \u00fcber die man im Winter mit etwas mulmigem Gef\u00fchl bis zum Gipfel aufsteigt \u2013 und hellauf begeistert im spritzenden Sahnefirn 1.100 H\u00f6henmeter bis in den Grund des Alpeiner Tals hinabschwingt.<\/p>\n<p>Das Gegenst\u00fcck zu dieser relativ direkten Skitour f\u00fcr Abfahrts-Freaks ist der <strong>lange Hochtourenklassiker zum Schrankogel<\/strong> (3.497 m, 1.450 Hm, 5,5 Std.). Am eindrucksvollen Gletscherbruch des Alpeiner Ferners n\u00f6rdlich vorbei, gleitet man hinauf zur Wildgratscharte und \u00fcberquert auf der anderen Seite abfahrend den Schwarzenbergferner zum Ostr\u00fccken des Schrankogels. Interesssant ist der Dreihundert-H\u00f6henmeter-Aufstieg zu Fu\u00df, spannend die \u00dcberschreitung des messerscharfen Firngrats \u2013 und atemberaubend w\u00e4re eine Extremabfahrt \u00fcber die nord\u00f6stliche Eisflanke (unten \u00fcber f\u00fcnfzig Grad!). Wer glaubt, bei der Tour zur Ruderhofspitze (3.474 m, 1.350 Hm, 5 Std.) ginge es wesentlich gem\u00fctlicher zu, der t\u00e4uscht sich: Zwar wackelt man oberhalb des Gletscherbruchs in langer Linksschleife \u00fcber das weite obere Firnbecken in ein Nebenbassin. Aber der Aufstieg durch die steile Firnrinne oder den Klettersteig daneben zum unschwierigen Gipfelgrat ist nicht jedermanns Sache.<\/p>\n<h4>Unterbergtal<\/h4>\n<p>Daher geht der Skitourengeher von heute die Ruderhofspitze lieber von der Mutterbergalm (1.748 m) im Unterbergtal an, der Talstation des Stubaier Gletscherskigebiets. Mit Ausnahme der anf\u00e4nglichen Karrenwegsschleife zum Mutterberger Leger und der Linksquerung vom Ruderhof-Kar zum Ruderhof-Ferner zieht die s\u00fcdseitige Route z\u00fcgig gerade hoch zum Gipfel (5 Std.). Wer Nerven f\u00fcr die Steilstufe darunter, Harscheisen und zur Sicherheit Leichtsteigeisen mitgebracht hat, der kann sich jetzt auf eine rassige 1.700-H\u00f6henmeter-Abfahrt der Extraklasse freuen. W\u00e4hrend die Fr\u00fchaufsteher bei einer Gipfelbrotzeit auf den richtigen Auffirn-Zeitpunkt warten, lassen sie den Blick \u00fcber die gesamten Stubaier Alpen streichen, bewundern den felsgepanzerten Olperer im Tuxer Hauptkamm und die gletscherglei\u00dfende <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/skitourenkarte\/dest\/100192-oetztal\/\">\u00d6tztaler<\/a> Wildspitze.<\/p>\n<p>Etwas sch\u00fcchtern wirkt dagegen die Firnhaube des gegen\u00fcber zwischen den Pfaffen stehenden <strong>Zuckerh\u00fctls<\/strong>. Kaum ein Berg tr\u00e4gt seinen Namen so zu Recht. Als einer der leichteren und seit dem Bau der Stubaier Gletscherbahn am leichtesten zug\u00e4nglichen h\u00f6chsten Gebirgsgruppen-Gipfel \u00d6sterreichs ist er meist recht gut besucht. Nach der Auffahrt mit den Stubaier Gletscherbahnen muss man nicht lange durch die Pulks der Pistler hindurchqueren, bis man in die Einsamkeit des felsumstandenen Fernauferners entlassen wird. \u00dcber den welligen Gletscherboden gleitend, steht man bald unter dem kurzen Steilhang zum Langen Pfaffennieder und krabbelt \u00fcber Urgesteinsbl\u00f6cke zur Rampe auf der anderen Seite des \u00dcbergangs. Eventuell mit Seil geht es in elegantem Bogen unter dem von einer klaffenden Riesenspalte zerschnittenen Zuckerhut zum steilen Aufstiegsr\u00fccken des Zuckerh\u00fctl \u00fcberm Pfaffensattel. Nach S\u00fcden 500 Meter Luft, nach Norden eine steile Firnflanke, die Spur zum Gipfel (3.507 m, 950 Hm, 3,5 Std.) oft vereist: Da schnallt man doch lieber Steigeisen an die Skitourenstiefel.<\/p>\n<p>Das Panorama reicht weit hin\u00fcber in die <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/skitourenkarte\/dest\/100209-zillertal\/\">Zillertaler Alpen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/skitourenkarte\/dest\/100275-dolomiten\/\">Dolomiten<\/a> im Wintermantel, zur wilden Seite der \u00d6tztaler Wildspitze und weit hinaus zu K\u00f6nig Ortler. Im Osten spitzt hinterm Wilden Pfaff der eher unscheinbare Wilde Freiger mit seiner nicht einsehbaren, rasanten Nordabfahrt hervor. Die Abfahrt vom Zuckerh\u00fctl \u00fcber den Sulzenauferner erscheint zwar spaltig. Aber am Durchschlupf unterm Langen Pfaffennieder schwebt man mitten durch eine wilde Szenerie zwischen Felswand und Gletscherbruch hindurch hinunter zur im Winter leider geschlossenen, neuen Sulzenauh\u00fctte (2.191 m).<\/p>\n<p>Die ist im Fr\u00fchjahr der ideale Ausgangspunkt f\u00fcr die <strong>rassige Firnskitour zum Wilden Freiger<\/strong> (3.418 m), der zu Unrecht im Schatten des Zuckerh\u00fctl steht. Er ist nicht nur anspruchsvoller, sondern bietet auch eine sch\u00f6nere Abfahrt beziehungsweise steilere Abfahrtsvariante. Schon der Zustieg kann alpinen Charakter beanspruchen: \u00dcber steile H\u00e4nge f\u00fchrt er um eine Ecke herum in die Sulzauklamm mit beidseitig hochschie\u00dfenden W\u00e4nden, die einen fast in den Bach dr\u00e4ngen. Dann verstellt eine fast dreihundert Meter hohe Schrofenwand den Weg, die es rechtsseitig zu \u00fcberlisten gilt. Oberhalb lacht zur Belohnung die Sulzenauh\u00fctte. Aus dem weiten oberen Sulzenautal geht es links in die Abgeschiedenheit der von Fels- und Schrofenw\u00e4nden eingefa\u00dften Fernerstube hinauf. In gleichm\u00e4\u00dfiger Steigung gleitet man dahin, bis man vor einer Schrofenflanke steht, \u00fcber die eine Leiter auf die S\u00fcdseite des Alpenhauptkamms f\u00fchrt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Danach geht es \u2013 endlich in der Sonne und im Angesicht des scheuen Wilden Freigers \u2013 z\u00fcgig am auf der Becherspitze thronenden Becherhaus (3.190 m) vorbei gipfelw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Die Sicht steht zwar etwas hinter der vom Zuckerh\u00fctl zur\u00fcck, der im Nordosten aufragende Felsklotz des Habichts und die Feuersteine wirken aber von hier aus besonders eindrucksvoll. Au\u00dferdem sieht man \u00fcber den \u00dcbeltalferner hinunter auf die kleineren Skiberge der S\u00fcdtiroler Stubaier. Wer die Abfahrt optimal erwischt, der brettert ab dem Gipfel in sagenhaftem Firnrausch nordseitig abw\u00e4rts Richtung Gr\u00fcnausee. Die Querung zur H\u00fctte und die Sulzabfahrt unterhalb streicht man einfach aus dem Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Hochstubai wird der Bereich der Stubaier Alpen mit den h\u00f6chsten Bergen und Graten zwischen Schrankogel, Ruderhofspitze und dem Wilden Freiger bezeichnet. Die breiten und langgezogenen, meist mit Steilstufen garnierten und dennoch meist wenig spaltigen Gletscher des klassischen Fr\u00fchjahr-Skitourenreviers sind eingebettet in schroffe dunkle Zentralalpengrate. 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