{"id":6911,"date":"2016-11-10T09:30:05","date_gmt":"2016-11-10T08:30:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=6911"},"modified":"2016-11-10T09:30:05","modified_gmt":"2016-11-10T08:30:05","slug":"skitourenregion-achensee-vielfaeltige-skitouren-ueberm-fjordsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/inspiration\/skitourenregion-achensee-vielfaeltige-skitouren-ueberm-fjordsee\/","title":{"rendered":"Skitourenregion Achensee: Vielf\u00e4ltige Skitouren \u00fcberm Fjordsee"},"content":{"rendered":"<p>Wie ein norwegischer Fjord liegt der Achensee eingekeilt zwischen den tief zerkl\u00fcfteten Kalkflanken von Rofan im Osten und <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/skitourenkarte\/dest\/100208-karwendel\/\">Karwendel<\/a> im Westen. Jeweils an seinen Enden befinden sich bis ins Fr\u00fchjahr wei\u00df verh\u00fcllte Schwemmlandebenen mit den eng umrissenen Skigebieten des schneesicheren Christlum bei Achenkirch und der Mauracher Rofanbahn bei Eben.<\/p>\n<h4>Leicht oder extrem: Achenkirch<\/h4>\n<p>Rund um Achenkirch im Norden finden Einsteiger und Schlechtwettertourengeher fast immer eine M\u00f6glichkeit, ihre Spur in frischen Schnee zu legen oder \u2013 \u00f6fter \u2013 einer zu folgen. Zum Einstieg ist die Achenseer Hochplatte (es gibt in den Alpen dutzende Hochplatten) gerade Recht. Der Klassiker ist eine erstaunlich sanfte Skitour, die bei fast jedem Wetter gemacht wird. Ab der Falkenmoosalm geht es meist in idealer Genussneigung, unterbrochen von einer kleinen Stufe teils \u00fcber Almfl\u00e4chen, teils durch lichten Wald aufw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Konditionsbolzen queren auf dem bisher weitgehend abgek\u00fcrzten Fahrweg rechts (1.490 m) unter der Marbichler Spitze mit kurzer Steilstufe durch zum Marbichler Joch, von dem es noch knapp 300 H\u00f6henmeter \u00fcber einen abschlie\u00dfend schmalen S\u00fcdostr\u00fccken zum Nordostpfeiler des Karwendelgebirges sind, dem <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.53333,11.61667\">Juifen<\/a> (1.987 m, 1150 Hm, 4 Std.).<\/p>\n<p>Die meisten zweigen aber linkshaltend auf den Nordostr\u00fccken der Hochplatte ab, queren etwas lawinengef\u00e4hrdet unter den Gipfelhang und steigen \u00fcber diesen in der Morgensonne zum Kreuz auf (1.813 m, 950 Hm, 2,75 Std.). Da sitzt man mit seiner Brotzeit am oberen Ende der ideale 25 Grad geneigten Platte und entdeckt zwischen sich und dem Skigebiet am Christlumkopf das Unterautal.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass der Fahrweg durch dieses Tal im Winter unten eine Loipe ist, sollte misstrauisch stimmen: Die H\u00e4lfte der H\u00f6henmeter und die l\u00e4ngere Wegstrecke l\u00e4uft man auf dieser reinen Einsteigertour auf dem Fahrweg im Wald; aber oben warten weite freie Wiesenkarh\u00e4nge und nach dem Sattel des Gr\u00f6bner Hals (1.650 m; 650 Hm, 2,25 Std.) sonnseitig eine Schneekuppe unterm felsigen Rether Kopf.<\/p>\n<p>Die Abfahrt von der Hochplatte bis zur Falkenmoosalm ist ein unerwarteter Schwunggenuss \u2013 nicht zu vergessen den k\u00f6stlichen Apfelstrudel bei der dortigen B\u00e4uerin (am Wochenende bewirtet). Vor der H\u00fctte wandert der Blick s\u00fcdw\u00e4rts wie von selbst weiter zum Achensee, neben dem eine schroffe Pyramide ihn magisch anzieht: Die Seekarspitze als n\u00f6rdlicher Endpunkt des wilden Seebergkamms schreckt mit einem in d\u00fcsteren Schatten geh\u00fcllten Steilkar ab. F\u00fcr Skitourengeher der \u201estrengeren\u201c Richtung ist dieser Berg ein richtiger Insidertreff, denn nur an wenigen Wochenden des Winters treffen Schneeh\u00f6he, -qualit\u00e4t und \u2013sicherheit g\u00fcnstig zusammen. Dann steigt man fast vom Achensee aus \u00fcber einen Fahrweg aufw\u00e4rts und steigt von der Kogelalm \u00fcber den licht bewaldeten und \u201ebelatschten\u201c Nordostr\u00fccken zum ausgesetzten ostseitigen Gipfelhang direkt \u00fcberm See hinauf (f\u00fcr sich bereits eine tolle Tour). Danach muss zum von klarer, kalter Winterluft umspielten Gipfel gekraxelt werden (2.053 m, 1100 Hm, 3,5 Std.). Das Pracht-Panorama zwischen wildem Karwendelgebirge, schroffem Rofanplateau und fernen Zillertaler Alpen macht es einem schwer, die Skitourenstiefel festzuschnallen, in die Skier zu steigen und in den nordseitigen Hang zu lugen. Die Abfahrt ist fast nie perfekt \u2013 aber 400 H\u00f6henmeter durchgehend atemberaubend steil. Als i-T\u00fcpfel f\u00e4hrt man am besten unterhalb der Seekaralm entlang des Sommerwegs durch den Seebergwald zum Oberautal und skatet rechts mit den Langl\u00e4ufern um die Wette zum Startpunkt.<\/p>\n<h4>Im n\u00f6rdlichen Rofan<\/h4>\n<p>Gegen\u00fcber dem See erhebt sich dort im Osten eine bewaldete Bergflanke zu F\u00fc\u00dfen der schroffen Felskegel des <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.54000,11.88000\">Rofans<\/a>, der (ob der, die oder das ist unklar) von den Kartographen den Brandenberger Alpen zugeschlagen wurde. Startet man an einem lawinengef\u00e4hrdeten Tag s\u00fcdlich des Cordialhotels Achensee Richtung K\u00f6glalm, gelangt man dort auf einem Fahrweg (ab der ersten Kehre abk\u00fcrzbar) zu dem wohlverdienten, freien Rastplatz zwischen wettergedunkelten Almh\u00fctten. Nach anstrengender Spurarbeit entlang einem breiten, licht bewaldeten Nordwestkamm auf der topfebenen Gipfelfreifl\u00e4che des K\u00fcppal angekommen (1.601 m, 770 Hm, 2,5 Std.), steht man genau zwischen den bewaldeten Bachschluchten von Brandenberg und dem eisfreien Achensee im Westen einerseits sowie dem Unn\u00fctz und dem felsigen Hauptmassiv.<\/p>\n<p>Das \u00fcberm s\u00fcdlichen Kammverlauf aufragende Kotalmjoch mit seinem Aufstieg \u00fcber einen Fahrweg bis zur Kotalm-Mittelleger geh\u00f6rt zu den beliebtesten Genusstouren am n\u00f6rdlichen Achensee. Die Bergschulter (2.122 m, 1.170 Hm, 3,5 Std.) ist nicht nur im Gipfelbereich trotz z\u00fcgigen Gef\u00e4lles <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/weisse-gefahr-lawinengefahr-fruehzeitig-erkennen\/\">relativ lawinensicher<\/a>; man kann auch bei der Abfahrt ab dem Mittelleger (1.608 m) eine sichere, steile Waldvariante zum <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.44145,11.58414\">Niederleger<\/a> (1.290 m) nehmen.<\/p>\n<p>Vom K\u00fcppal aus visuell interessanter sind allerdings die lotrechten Nordabst\u00fcrze des Rofanplateaus s\u00fcd\u00f6stlich des Kotalmjochs. Viele schwierige klassische und einige neue Kletterrouten f\u00fchren durch die d\u00fcsteren Kalkw\u00e4nde. Denen gegen\u00fcber baut sich im Nordosten hinter Steinberg wie ein r\u00f6misches Theater die sonnenbeschienene Guffertspitze auf.<\/p>\n<p>Kaum zu glauben dass zwischen ihren Felsr\u00e4ngen zwei Skitouren hochf\u00fchren, die allerdings erst im Sp\u00e4twinter bei Firn gemacht werden: Nach dem von einer Lawine ausgeschlagenen Jungwald queren die meisten rechts in ein T\u00e4lchen. Harscheisenbewehrt steigt man durch einen Trichter mit Engpass und steilem Kar auf zum Sommerweg, der an Drahtseilen zum felsigen, freistehenden Aussichtsgipfel f\u00fchrt (2.194 m, 1.200 Hm, 3,5 Std.). Andere steigen gerade immer steiler hinauf, machen unter den Felsen Halt und g\u00f6nnen sich zwei, drei Steilabfahrten im spritzenden Firn. Denn die dar\u00fcber lockende Steilrinne mit bis zu f\u00fcnfzig Grad Neigung zum Westgipfel bleibt K\u00f6nnern vorbehalten\u2026<\/p>\n<p>Vor den Guffert dr\u00e4ngt sich breit mit tief zerfurchter Nordostflanke der Unn\u00fctz. Er hei\u00dft nicht umsonst so: Zwischen Latschen und Felsen konnten fr\u00fcher im Sommer allenfalls Schafe ein Auskommen finden und im Winter schluckt der Berg die Strahlen der Morgensonne. Kein Wunder, dass im kalten Achenkirch die Loipen bis ins Fr\u00fchjahr vorhalten\u2026 Der Skiaufstieg von Steinberg durch Wald und \u00fcber den latschenbesetzten Ostr\u00fccken verl\u00e4uft zwar etwas kompliziert und bietet auch keine interessante Abfahrt; aber er ist ziemlich lawinensicher und der Hauptgipfel des <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/misthaufen-hundstod-fleischbank-die-skurrilsten-bergnamen\/\">Vorderunn\u00fctz<\/a> aussichtsreich (2.078 m, 1.050 Hm, 3,25 Std.). Bei sicherer Lawinenlage l\u00e4sst sich zwischen Aufstiegsr\u00fccken und Hauptgipfel durch eine steile Talfurche, die sich links mit einer anderen vereinigt, im stiebenden Pulverschnee zur Oberen Bergalm abfahren. Die Wirtschaft hat im Sp\u00e4twinter sogar ge\u00f6ffnet und man wird per Anhalter meist prompt mitgenommen zum Auto.<\/p>\n<h4>Auf dem Sonnenplateau<\/h4>\n<p>Am S\u00fcdostende des Achensees bei Maurach spielt sich das Skitouren-Geschehen gr\u00f6\u00dftenteils auf dem s\u00fcdwestw\u00e4rts geneigten Hochplateau des Rofan zwischen verschachtelten Felslandschaften ab. Es lohnt sich, mit dem Lift der Rofanbahn auf 1.840 Meter hoch zu schweben \u2013 man spart sich den Pistenhatscher im Wald und kann au\u00dferdem zwei Spritztouren mit jeweils um die 500 H\u00f6henmetern Aufstieg kombinieren.<\/p>\n<p>Bei der Tour zur Seekarlspitze wechselt das Janusgesicht des Rofan mit seinen gegliederten Spornk\u00e4mmen bei jeder Routenwendung den Ausdruck von w\u00fcst zerhackten Felstr\u00fcmmer-Landschaften \u00fcber sanft gewellte Hochfl\u00e4chen und weite Kare bis zu lotrecht in den Himmel schie\u00dfenden W\u00e4nden. Und das auf kleinstem Raum! Nach dem verzwickten Durchstieg am Rand des sch\u00fctter mit Zirben bestandenen Felsengewirrs der Grubastiege, quetscht man sich um eine steile Ecke unter eine kurze Steilstufe. \u201ePer aspera ad astra\u201c, wie die alten R\u00f6mer schon sagten \u2013 durch Anstrengung zum Erfolg. Dar\u00fcber gleitet man auf dem breiten S\u00fcdsporn der Seekarlspitze im Wiegeschritt durch einen h\u00fcbschen \u201eSteingarten\u201c auf die steile Gipfelflanke zu. Kaum zu glauben, dass dieser makellos wei\u00dfe, vielversprechende Firnhang im Sommer mit Schrofen durchsetzt ist. Am kleinen schmiedeeisernen Kreuz (2.261 m, 500 Hm\/1.250 Hm Abfahrt, 2 Std.) steht man \u00fcber der lotrecht abbrechenden Nordwand. Die Rundumsicht zwischen den grauen Felsbastionen der Guffertspitze im Norden und dem Wilden Kaiser im fernen Osten, dem schroffen Karwendel im Westen und dem Gletscherglast der wei\u00df her\u00fcberleuchtenden Zentralalpen im S\u00fcden ist gewaltig. Die rassige Firnabfahrt wird am S\u00fcdsporn durch die Variante einer Rinne vers\u00fc\u00dft, die bis zu vierzig Grad steil zwischen Seekarlspitze und Spieljoch herabzieht.<\/p>\n<p>Gleitet man beim Aufstieg am flachen Grubasattel gerade nordostw\u00e4rts weiter, \u00e4ndert sich das Gebirgspanorama schlagartig wie bei einem Filmschnitt: \u00dcber eine weite, ebenm\u00e4\u00dfige Senke schweift der Blick zur fernen Rofanspitze. Das Bild scheint aus Skandinavien hierher projiziert zu sein \u2013 w\u00e4re das Hochtal nicht eingerahmt von der Firnflanke der Seekarlspitze zur Linken, den Wandstufen der Haidachstellwand zur Rechten und dem gegen\u00fcber aufragenden Kalkturm des Ro\u00dfkopfs. Allerdings ist man auf dieser abwechslungsreichen, relativ leichten Route selten allein unterwegs. Der scharfe Gipfelkamm (2.259 m, ebenfalls 500 Hm\/1.250 Hm Abfahrt, 2 Std.) zwischen S\u00fcdflanke und n\u00f6rdlichem Wandabbruch lauert aber mit Wechten auf unerfahrene Skitourengeher, w\u00e4hrend die s\u00fcdseitige Umgehung hinter der Grubascharte lawinengef\u00e4hrdet sein kann. Freeride-Freaks werden von hier nicht den zahmen Rutscher und die eventuell vereiste Piste zur\u00fcck zur Talstation nehmen, sondern gerade s\u00fcdw\u00e4rts hinabschie\u00dfen nach Wiesing ins Inntal und per Bus zum blauen Achensee zur\u00fcckfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ein norwegischer Fjord liegt der Achensee eingekeilt zwischen den tief zerkl\u00fcfteten Kalkflanken von Rofan im Osten und Karwendel im Westen. Jeweils an seinen Enden befinden sich bis ins Fr\u00fchjahr wei\u00df verh\u00fcllte Schwemmlandebenen mit den eng umrissenen Skigebieten des schneesicheren Christlum bei Achenkirch und der Mauracher Rofanbahn bei Eben. 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