{"id":6519,"date":"2016-10-18T14:46:00","date_gmt":"2016-10-18T13:46:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=6519"},"modified":"2016-10-18T14:46:00","modified_gmt":"2016-10-18T13:46:00","slug":"im-wilden-herzen-sloweniens-bergsteigen-in-den-julische-alpen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/inspiration\/im-wilden-herzen-sloweniens-bergsteigen-in-den-julische-alpen\/","title":{"rendered":"Im wilden Herzen Sloweniens: Bergsteigen in den Julische Alpen"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die meisten Bergsteiger liegen die Julischen Alpen und der Triglav mit seiner ber\u00fchmten Nordwand in der abgelegenen S\u00fcdostecke der Alpen in einem exotischen kleinen Land namens <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=46.15124,14.99546\">Slowenien<\/a>. Und au\u00dferhalb der Bergsteigerzunft wird man eher den Wacheiner See oder den Bleder See mit seiner Wallfahrtskirche am lieblich-gr\u00fcnen Ostrand des <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=46.33418,13.82869\">Triglav-Nationalparks<\/a> kennen. Dabei ist das Gebirge von M\u00fcnchen oder Linz auf der Tauernautobahn bis zum St\u00e4dtchen Jesenice nicht weiter entfernt als \u00fcber die Brennerautobahn zum <a href=\"https:\/\/www.kompass.de\/regionen\/wandern-gardasee\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"22\" title=\"Wandern am Gardasee\">Gardasee<\/a>. Allerdings lassen die in spektakul\u00e4rer Schroffheit bis 2.000 Meter hoch \u00fcberm oberen Savetal aufragenden Kalkzacken der \u201eJulischen\u201c die Felsw\u00e4nde der Gardaseeberge ums Sarcatal wie Zwerge erscheinen.<\/p>\n<p>Nicht weit talein vom Portal des Karawankentunnels biegt man bei Dovje links ab nach Mojstrana mit seinem Nationalpark-Informationszentrum. Von hier f\u00fchrt ein staubiger Fahrweg zur Aljazev dom, dem Unterkunftshaus mitten im Herzen des Nationalparks. Noch sieht man nur die unteren Felssporne der Gipfel und die steilen Kare dazwischen \u00fcber dem Buchenwald aufragen. Aber kaum tritt man im schottrigen hinteren Talkessel der Triglavska Bistrica ins Freie, entfaltet sich vor den ungl\u00e4ubigen Augen eine 1.000 Meter hohe und drei Kilometer breite Kalkmauer, der ein bleicher Felskopf aufsitzt: Die ber\u00fchmte Nordwand des Triglav mit dem Kulminationspunkt der Julischen Alpen. Kaum zu glauben, dass der Grazer \u201eGilde vom groben Kletterschuh\u201c (Reinl\/K\u00f6nig\/Domenigg) vom 9. auf den 10. Juli 1906 hier auf schuttbedeckten B\u00e4ndern und durch br\u00fcchige Rinnen die Erstbegehung inklusive Biwaknacht nach Wettersturz im III. Schwierigkeitsgrad gelang. Da passt das viel fotografierte Denkmal mit mannsgro\u00dfem Haken und Karabiner wie die Faust aufs Auge, an dem vorbei man aufsteigt zum Luknja-Sattel (2.758 m).<\/p>\n<p>Hier ruhen gerne 2.000 H\u00f6henmeter vom Trentatal im Westen heraufgekommene, einheimische Bergsteiger zum Entspannen in der Wiese und charakterisieren damit die lockere Herangehensweise an ihr wildes Gebirge. Die kann man beim Triglav-Aufstieg \u00fcber den Bambergweg auch gebrauchen, denn wie die meisten der vielen Klettersteige der Julischen Alpen in Slowenien zeichnet sich dieser nach dem steilen, aber gut versicherten \u201eAnf\u00e4ngerkiller\u201c durch sparsamen Einsatz von Eisen aus: Immer wieder unterbrechen freie Kraxelpassagen die Drahtseilsicherungen, die daf\u00fcr perfekt in Schuss sind. Nach eindrucksvollen Seitenblicken in die Nordwand des <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=46.37920,13.83392\">Triglav<\/a> gelangt man \u00fcber die Dolinen- und Tr\u00fcmmerlandschaft eines einsamen Hochplateaus zum Gipfelaufbau. Ein Kamin leitet in r\u00f6tlichem Fels hinauf zum schuttbedeckten S\u00fcdr\u00fccken, der unbeliebten leichtesten Aufstiegsroute zum h\u00f6chsten Punkt mit seiner blechernen Biwakkapsel (2.864 m, 1.850 Hm, 6 Std.).<\/p>\n<p>Wie riesige Termitenh\u00fcgel stehen im fernen Westen die Dolomiten hinter den Karnischen Alpen, w\u00e4hrend im Vordergrund die Felszinnen der Wischberggruppe und das stolze Horn des Montasch die westlichen Julischen Alpen im italienischen Julisch-Venetien\/Friaul markieren. Bis zu den Eis- und Felsspitzen der Tauern reicht das Panorama im Norden und an kristallklaren Herbsttagen kann man wohl bis zur Adria blicken. Kein Wunder, dass an solchen Wochenenden Hundertschaften auf den Nationalberg der Slowenen pilgern, die meisten \u00fcber den Normalweg von der Triglavski dom, den Klettersteig-Papst Eugen H\u00fcsler als Igelsteig bezeichnet: Kein Drahtseil, sondern Eisenstangen ziehen sich \u00fcber den Ostgrat herauf, an denen man sich entlanghangeln, aber mit dem Klettersteigset nur provisorisch sichern kann. Das im slawischen Stil mit Walmdach erbaute Triglav-Haus ist gr\u00f6\u00dfer als es erscheint. Wie in jeder Bergh\u00fctte herrschen drinnen dampfiges Klima und redselige Stimmung; nur das Essen ist einfacher und die Lager sind unbeheizt.<\/p>\n<p>Der Nordabstieg \u00fcber das Karstplateau des Kotel l\u00e4sst sich durch einen Abstecher zum <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=46.39778,13.85972\">Cmir<\/a> (2.383 m) vers\u00fc\u00dfen \u2013 einem langen einsamen Gratsteig mit Sicherungen, auf dem einem Enziane, Edelwei\u00df und Steinb\u00f6cke begegnen, die man auf den belebteren Touren meist vermisst. Zu F\u00fc\u00dfen des Begunjski Vrh (2.461 m) spaltet sich der Abstiegsweg in zwei Klettersteige auf: Steil und erstaunlich wenig gesichert f\u00e4llt der Pragweg am Ostrand der Triglav-Nordwand \u00fcber Rinnen und Schuttterrassen ab in den Talkessel der Bistrica. Auf gr\u00fcnen B\u00e4ndern zwischen schroffen Felsw\u00e4nden f\u00fchrt der m\u00fchsamere, aber abwechslungsreichere Tominsekweg zur\u00fcck zur Alyazew dom \u2013 immer die wild zerkl\u00fcftete Kalkspitze des nach dem Montasch dritth\u00f6chsten Julischen Gipfels vor Augen, der Skrlatica (oder Suhi Plaz). Dort gelang Julius Kugy, dem unerm\u00fcdlichen Erschlie\u00dfer der Julischen Alpen, 1880 eine seiner k\u00fchnsten Erstbegehungen im Reich des Zlatorog, des Gamsf\u00fcrsten. Zusammen mit seinem langj\u00e4hrigen F\u00fchrer, dem Klettertalent Andreas Komac, und einem Wilderer aus dem Trentatal bezwang er nach m\u00fchsamem Zustieg \u00fcber mehrere P\u00e4sse den versteckten Gipfel durch steile Kamine und \u00fcber einen glatten \u00dcberhang. Der heutige Normalweg zieht direkt von der H\u00fctte steil empor, um nach einem m\u00fchsamen Durchschlupf zwischen Felsen und Schutt pl\u00f6tzlich ein weites, blumen\u00fcberzogenes Wiesenplateau zu erreichen. Nach ausgesetzter Querung in das Hochkar Zadni Dolek steht man pl\u00f6tzlich unter der Gipfelflanke, die per Klettersteig mit schwieriger Schl\u00fcsselstelle zur gut markierten Kraxelei am S\u00fcdgrat der Skrlatica umgangen wird (2.740 m, 1.750 Hm, 5,5 Std.).<\/p>\n<p>Danach hat man sich eine besinnlichere Bergtour verdient. F\u00e4hrt man wieder zum Savetal raus und hat dort die Fahrt talein \u00fcberlebt (die Slowenen fahren wie die Henker), ragt wie ein polierter Zahn der Spik aus den s\u00fcdlich \u00fcber Gozd Martuljek (750 m) stehenden Felsw\u00e4nden heraus. Hier lohnt es sich, wie die meisten der zahlreichen Touristen Klamm und Wasserfall des Martuljek-Bachs zu besichtigen. Zwei Wege f\u00fchren dann weiter zu Karen mit Biwakh\u00fctten unterhalb der Kalkmauern, in denen sich \u00fcbernachten l\u00e4sst, nachdem man den Schl\u00fcssel im Tal abgeholt hat. W\u00e4hrend das Bivak III im Za Akom eher Einsamkeit suchenden Alpinisten gefallen wird, ist beim komfortablen Bivak pod Spicam (1.424 m) der Name Programm: Hier starten einige der anspruchsvolleren alpinen Kletterklassiker der Ostalpen durch die Spik-Nordwand mit langem, br\u00fcchigem Kletterzustieg und 600 H\u00f6henmetern sicherungsarmer Kletterei im V.\/VI. Schwierigkeitsgrad \u2013 sofern man die Route findet.<\/p>\n<p>Wer trotzdem dem Spik aufs Dach steigen will, der begibt sich in den Nachbarort Kranjska Gora, das international bekannte Skigebiet, in dem 2007 der Abfahrts-Weltcup zwischen gr\u00fcnen Wiesen stattfand. Vom Hotel Erika (870 m) an der Stra\u00dfe Richtung Goricia wandert man das Krnica-Tal einw\u00e4rts, immer im Angesicht der von hier aus unzug\u00e4nglichen Kalkriesen: Von tiefen Kl\u00fcften zwischen rasiermesserscharfen Kalkgraten zerschrundet schneidet der spitze Razor elegant den Himmel, w\u00e4hrend der Prisojnik wuchtig auf seinem weitl\u00e4ufigen Felsvorbau mit Wasserfall steht. Steil und anstrengend zieht der Weg \u00fcber die Westflanke des Spik hinauf, um nach sparsamen Drahtseilpassagen in einem Abstecher zum zertr\u00fcmmerten Gipfel zu kulminieren (2.472 m, 1.600 Hm, 4,5 Std.). Er ist Teil einer Runde, die nach Klettersteig-\u00dcberschreitung der Lipnica (2.418 m) \u00fcber die mitten in der Felswildnis gelegene Koca v Krnici (Krnici-H\u00fctte, 1.113 m) zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Aber auch Prisojnik und Razor sind nicht unbezwingbar. Wer die Stra\u00dfe Richtung Goricia in Serpentinen weiterf\u00e4hrt, gelangt am \u00dcbergang ins Trenta-Tal zum Pass Vrsic mit dem Unterkunftshaus Ticarjev dom (1.618 m). Nach kurzem Zustieg s\u00fcdostw\u00e4rts kann man bereits das Klettersteig-Equipment anlegen, wobei sich am Beginn eines Nordgrats die Spreu vom Weizen trennt. Die meisten steigen \u00fcber diesen zum Vorgipfel Vrh Kraj sten (2.311 m) auf und nehmen den mittelschweren Westgrat des Jubil\u00e4umswegs (Jubilenja pot) unter die alpintauglichen Klettersteigschuhe (oder klettertauglichen Bergschuhe). Wer fit genug ist, wagt sich nach einer Ostquerung an den rassigen Nordwand-Klettersteig (Jeseniska pot). Kaum zu glauben, dass man \u00fcber diesen Felspfeiler am Rand der plattigen Nordwand hinauf kommt \u2013 und kein Wunder, dass der Aufstieg am Drahtseil Kraft und Geschicklichkeit erfordert. Nach einer abdr\u00e4ngenden Kriechstelle schl\u00fcpft man durch das Vordere Fenster und erreicht mit der Schar der julischen Normalverbraucher zusammen den Gipfel des Prisojnik (2.547 m, 1.000 Hm, 5 Std.). Hier l\u00e4sst sich entweder direkt \u00fcber einen steilen Karsteig absteigen und zum Ausgangspunkt queren. Oder man wandert und kraxelt auf dem Jubil\u00e4umsweg meist s\u00fcdseitig \u00fcber B\u00e4nder, Scharten und Steilstufen am Felstor des Hinteren Fensters vorbei weiter und steigt westseitig teils gesichert auf zum Sedlo Planja (Planja-Sattel, 2.349 m). Knapp darunter beginnt der Aufstiegsabstecher von hinten zum Razor (2.601 m). Wer diese Plackerei \u00fcber Schutt und Schrofen hinter sich gebracht hat, wei\u00df, was er getan hat, wenn er im Abendlicht mit schlackernden Knien im Pogacnikov dom (2.050 m) einkehrt. Wie eine Spinne f\u00e4ngt das Schutzhaus zwischen weiten Hochfl\u00e4chen mit Seeaugen die Bergsteiger im Wegenetz, von dem sich \u00fcber P\u00e4sse hinabsteigen l\u00e4sst ins Krnicatal, Vratatal und direkt den 1400 Meter tiefen Westabfall ins Trentatal mit der rauschenden Soca. Von dort schaut Julius Kugys Statue herauf in seine geliebten Julischen Alpen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die meisten Bergsteiger liegen die Julischen Alpen und der Triglav mit seiner ber\u00fchmten Nordwand in der abgelegenen S\u00fcdostecke der Alpen in einem exotischen kleinen Land namens Slowenien. Und au\u00dferhalb der Bergsteigerzunft wird man eher den Wacheiner See oder den Bleder See mit seiner Wallfahrtskirche am lieblich-gr\u00fcnen Ostrand des Triglav-Nationalparks kennen. 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