{"id":6300,"date":"2016-09-26T14:40:10","date_gmt":"2016-09-26T13:40:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=6300"},"modified":"2016-09-26T14:40:10","modified_gmt":"2016-09-26T13:40:10","slug":"wandern-im-oetztal-von-der-familienwanderung-bis-zur-gletschertour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/inspiration\/wandern-im-oetztal-von-der-familienwanderung-bis-zur-gletschertour\/","title":{"rendered":"Wandern im \u00d6tztal: Von der Familienwanderung bis zur Gletschertour"},"content":{"rendered":"<p>F\u00e4hrt man vom Inntal durch karge Kiefernh\u00fcgel s\u00fcdw\u00e4rts ins <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/gebiet\/dest\/100192-oetztal\/\">\u00d6tztal<\/a>, sieht man sich bald dem Riesentor zwischen Armelenwand und Habicher Wand gegen\u00fcber. Davor erstrecken sich sonnenhell die Wiesen vom Berg \u00fcber Oetz bis zum Plateau von Sautens. Dazwischen versteckt sich der unter Naturschutz stehende <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.19530,10.88846\">Piburger See<\/a> mit seinen 24 Grad Wassertemperatur als beliebtes Ausflugsziel f\u00fcr Wanderer, die nach der Tour baden wollen. Hinter dem dunklen Tor erreicht man den gr\u00fcnen Talgrund am Beginn der Schiefen Ebene von Umhausen. Dar\u00fcber schweben sch\u00e4umende Kaskaden von zyklopischen Felsen herab, die an steilen Talflanken zwischen dunklen Nadelw\u00e4ldern hervorlugen.<\/p>\n<p>Nach Umhausen verschwindet man im tiefen Einriss der <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.29807,13.28410\">Maurach-Klamm<\/a>, wo die \u00d6tztaler Ache sich bei Hochwasser an den Ger\u00f6llflanken des Taufererbergs austobt. Dieser ist das Resultat des gr\u00f6\u00dften der nacheiszeitlichen Bergst\u00fcrze im \u00d6tztal, der gleich zwei Drittel eines Bergs samt Gipfel mit sich riss: Drei Milliarden Kubikmeter Gestein brachen von der Westseite ins Tal herunter und sch\u00fctteten auf der Ostseite den Taufererberg auf.<\/p>\n<p>Die Ger\u00f6llmassen stauten die \u00d6tztaler Ache zu einem See, der sp\u00e4ter ablief: Pl\u00f6tzlich weitet sich das Tal zur anderthalb Kilometer breiten Ebene von L\u00e4ngenfeld, \u00fcberzogen mit einem Teppich aus gr\u00fcnen Wiesen und gemustert von Bauernweilern. Die schroffen Bergflanken dar\u00fcber lassen kaum erahnen, dass westlich in den \u00d6tztaler Alpen Hocht\u00e4ler mit saftigen Almweiden und blanken Seeaugen warten; w\u00e4hrend \u00f6stlich die Vorposten der Stubaier Alpen Blumenwiesen und z\u00fcnftige Bergtouren versprechen. Da es au\u00dfer in Oetz keine Aufstiegshilfen in Form von Seilbahnen gibt, l\u00e4sst sich die ganze Gebirgspracht des Vorderen \u00d6tztals nur auf Schusters Rappen oder per Drahtesel erkunden.<\/p>\n<h4>Von der Kinderwanderung zum Erlebnisklettersteig<\/h4>\n<p>Ideal f\u00fcr Familien mit Kindern ist die kurze, aber abwechslungsreiche Runde \u00fcber den Winklboden. Von L\u00e4ngenfeld-Winklen startet die Wanderung f\u00fcr unternehmungslustige Kinder durch den \u201eM\u00e4rchenwald Winkelberg\u201c. Nach hartem 100-H\u00f6henmeter-Aufstieg lockt der bezaubernde Winkelbergsee, in dem kleine schwarze Kaulquappen herumzappeln \u2013 gut gesch\u00fctzt vor den pfeilschnell durchs kalte Wasser schie\u00dfenden Forellen durch einen Trennsteg, \u00fcber den die Kinder vorsichtig von den Felsen des einen Ufers zu den Wurzeln des anderen balancieren.<\/p>\n<p>Danach laufen die Kleinen auf dem \u201eGeolehrpfad\u201c \u00fcber den mit lichtem Nadelwald bewachsenen Winklboden zu einem rechts abzweigenden Fu\u00dfpfad. Er f\u00fchrt im finsteren Fichtenforst durch ein w\u00fcstes Tr\u00fcmmerfeld aus riesigen Urgesteinsbl\u00f6cken, die mit wei\u00dfen Flechten, gr\u00fcnen Moosen und verschlungenen Baumwurzeln bewachsen sind. Nun dienen die Relikte eines Bergsturzes allen Naturbegeisterten als Abenteuerspielplatz.<\/p>\n<p>Am ungleich gr\u00f6\u00dferen Bergsturzrelikt des Taufererbergs schr\u00e4g gegen\u00fcber, welcher 530 Meter \u00fcber dem Talboden aufgeschoben wurde (Wolfsegg 1.680 m), l\u00e4sst sich in einer kurzweiligen Rundwanderung der h\u00f6chste Wasserfall Tirols besichtigen. Am Beginn, am S\u00fcdende der Schiefen Ebene von Umhausen, befindet sich ein rekonstruiertes Steinzeitdorf (Neolithikum, ca. 3300 v. Chr.). Es diente als Kulisse f\u00fcr einen Film \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/der-mann-aus-dem-eis-oetzis-erben\/\">aus dem Eis am Tisenjoch getauten \u201e\u00d6tzi\u201c<\/a> und bietet jetzt Vorstellungen und Wildpferde. W\u00e4hrend dem folgenden Aufstieg durchs Horlachtal l\u00e4sst sich der in zwei Kaskaden abbrechende Stuibenfall bewundern, der den Schwei\u00df mit Spr\u00fchnebel k\u00fchlt. Danach kommen die in bl\u00fchende Wiesen eingebetteten Bauernweiler auf der Hochebene von Niederthai gerade Recht. Hier oder beim Abstieg vom Mauslesattel (1.635 m) \u00fcbers Gasthaus Wiesle l\u00e4sst sich gut einkehren, bevor man an der bewaldeten Flanke oberhalb der Maurachschlucht auf einem alten Saumpfad zur\u00fcck quert. \u00dcberall ragen Urgesteinsbl\u00f6cke aus dem Wurzelwerk hervor, die durch nichts als Lehm miteinander verbunden sind.<\/p>\n<p>Bombenfest hingegen ist der Fels am Burgstein, der hinter L\u00e4ngenfeld als lotrechte Felskanzel ins Auge springt. Der Reinhard-Schiestl-Klettersteig schie\u00dft vom Einstieg weg so steil hoch, dass zartere Gem\u00fcter gleich umdrehen \u2013 trotz Sicherung am Drahtseil und Eisentritten f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe. Danach geht es in leichterem Fels entschlossen weiter hinauf zur Schl\u00fcsselstelle einer abdr\u00e4ngenden Felsnase. Zur Belohnung darf man sich ins Wandbuch eintragen. Nach ausgesetzter Querung und einer glatten Platte steht man pl\u00f6tzlich auf einer sanften Wiesenkuppe unter den H\u00e4usern von Burgstein. Im Sonnenhof schweift der Blick bei einer Spezi entspannt \u00fcber das <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/wanderkarte\/dest\/100192-oetztal\/\">\u00d6tztal<\/a>. Danach l\u00e4sst sich abw\u00e4rts bummeln zum Aqua Dome, einem Erlebnis-Schwimmbad, das man hier nicht erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Bergtouren an der Schneegrenze<\/h4>\n<p>Eine richtige Bergtour dagegen f\u00fchrt von Umhausen rauf zum Wildgrat im Geigenkamm zwischen \u00d6tztal und Pitztal. Wanderer m\u00fcssen gr\u00f6\u00dftenteils auf einem Fahrweg zur Erfurter hochhatschen. Viele lassen sich deshalb mit dem Bergtaxi kutschieren \u2013 oder schwingen sich aufs Mountainbike. Von der gurgelnden \u00d6tzer Ache (983 m) kurbelt man z\u00fcgig durch k\u00fchlen Wald mit flechtenb\u00e4rtigen Fichten aufw\u00e4rts. Schleckerm\u00e4uler weiden die Heidelbeeren darunter ab.<\/p>\n<p>Beim einem Links-Abzweig beginnt eine Art \u00d6tztaler Ironman: Erst kurbelt man tausend H\u00f6henmeter ohne Ruhephase zur Hinteren Fundusalm (1.964 m) und versucht, sich ohne Absteigen den Karrenweg zur Frischmann-H\u00fctte hochzuqu\u00e4len (2.192 m, 1.200 Hm; \u00dcbernachtung m\u00f6glich). Dann kommt der schottrige Aufstieg zur <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.10000,10.86667\">Feilerscharte<\/a> (2.926 m), und die letzten Meter zum luftigen Gipfel des <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.10000,10.86667\">Fundusfeiler<\/a> (3.079 m, 2.100 Hm) muss man noch schwindelfrei sein!<\/p>\n<p>Wildgrat f\u00e4hrt man rechtshaltend weiter zur Vorderen Leierstalalm (1.798 m; Endpunkt des Bergtaxis) und links \u00fcber einen Karrenweg durchs Leierstal aufw\u00e4rts bis zur Materialseilbahn (1.864 m). Hier schlie\u00dft man die R\u00e4der ab und steigt zwischen blumen\u00fcbers\u00e4ten Wiesenh\u00e4ngen und plattigen Felsen hinauf zur steinernen Erlanger H\u00fctte (2.541 m, 1.550 Hm). Die krallt sich zwischen Hochtal und Wettersee in einen Granitbuckel mit Fernsicht auf die Stubaier Alpen und Nahsicht in einen weiten Karkessel. Den steinigen Weg, vorbei am spiegelblanken See und hinauf zum Wildgrat sollte man entweder abends oder in der Morgend\u00e4mmerung unter die Schuhe nehmen, um den prachtvollen Sonnenunter- bzw. \u2013aufgang am felsigen Panoramagipfel des Wildgrats zu erleben (2.971 m). Vom grauen Wettersteingebirge mit der Zugspitze im Nordosten, \u00fcber das Gipfelgewirr der Lechtaler Alpen, bis zu den schartigen Spitzen der Silvretta im S\u00fcdwesten ist alles geboten. Die d\u00fcstere Felsmauer im wilden Kaunergrat ist die Rofelewand und im S\u00fcdosten zieht sich der Geigenkamm 30 Kilometer lang bis zum vergletscherten Wei\u00dfkamm mit der <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/die-prominentesten-berge-der-alpen\/\">Wildspitze<\/a> (3.770m) hinter. Im Osten thronen \u00fcber aussichtsreichen Bergspornen und tief eingebetteten Steilkaren hoch \u00fcberm \u00d6tztal schroffe Urgesteinsketten, die sich zu den n\u00f6rdlichsten Dreitausendern mit Minigletschern aufschwingen.<\/p>\n<p>Genau dort quert der faszinierende, aber lange Wilhelm-Oltrogge-Weg durch, der trotz einiger Drahtseilsicherungen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. In voller Bergmontur schwebt man von Oetz am Beginn des \u00d6tztals mit der Acherkogelbahn nach Hochoetz (2.020 m). Die bunten Almwiesen an der Neuen Bielefelder H\u00fctte (2.112 m) bilden einen wohligen Kontrast zu den abweisenden Felsplatten des\u00a0<a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.18333,10.95000\">Acherkogels<\/a> (3.007 m) unter denen man zum unerwartet flachen R\u00fccken der Achplatte quert. Gegen\u00fcber breitet sich die Gipfelwelt des n\u00f6rdlichen Geigenkamms aus, w\u00e4hrend von unten der Piburger See verhei\u00dfungsvoll herauf schimmert. Der wild gegen den tiefblauen Himmel gezackte Grat zum Hochbrunnachkogel \u00fcberragt die in Rinnen hinein, auf Rippen heraus und \u00fcber Ger\u00f6ll hinweg f\u00fchrende Panorama-Querung durchs Acherkar bis zur \u201eMittelstation\u201c des Lauser (2.616 m; Abstiegsm\u00f6glichkeit \u00fcber Farst ins \u00d6tztal).<\/p>\n<p>Kaum zu glauben, dass der Weg genau durch die Schrofenflanke des Grats zur Hochreichscharte (2.910 m) weiterf\u00fchrt. Vom H\u00f6hepunkt der Tour l\u00e4sst sich als Sahneh\u00e4ubchen sogar der <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.17028,10.96972\">Hochreichkopf<\/a> besteigen (3.010 m). Der lange Abstieg durch das m\u00fchsame Horlacher Kar endet geradewegs an der Guben-Schweinfurter H\u00fctte, wo man nach dieser 9-Stunden-Tortour \u00fcbernachten sollte. Am n\u00e4chsten Tag wandert es sich leichter durchs Horlachtal nach Umhausen, wo man bei einem Radler im Gasthaus Hofer auf den Bus zur\u00fcck nach Oetz warten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00e4hrt man vom Inntal durch karge Kiefernh\u00fcgel s\u00fcdw\u00e4rts ins \u00d6tztal, sieht man sich bald dem Riesentor zwischen Armelenwand und Habicher Wand gegen\u00fcber. Davor erstrecken sich sonnenhell die Wiesen vom Berg \u00fcber Oetz bis zum Plateau von Sautens. 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