{"id":5589,"date":"2016-07-25T10:23:21","date_gmt":"2016-07-25T09:23:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=5589"},"modified":"2016-07-25T10:23:21","modified_gmt":"2016-07-25T09:23:21","slug":"chiemsee-von-gletschern-geformt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/inspiration\/chiemsee-von-gletschern-geformt\/","title":{"rendered":"Chiemsee: Von Gletschern geformt"},"content":{"rendered":"<p>Das &#8222;Bayerische Meer&#8220;, der <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.85937,12.39881\">Chiemsee<\/a>, ist zweifellos der bekannteste See am Fu\u00df der Chiemgauer Berge, aber nicht der einzige. Zahlreiche kleinere Seen schlie\u00dfen sich nach Norden an, entstanden als Folge der Eiszeiten und heute beliebte Badeseen, die man meistens zu Fu\u00df oder per Rad umrunden kann. Beliebt ist vor allem der Chiemsee-Uferweg, an dem mehrere Stationen das ungest\u00f6rte Beobachten der mehr als 300 Vogelarten erm\u00f6glichen. Natur entdecken kann man auch in den Moorgebieten in der Umgebung des Chiemsees, allein oder bei gef\u00fchrten Touren, die keine gro\u00dfe Kondition erfordern, ebensowenig wie die Spazierg\u00e4nge und Radtouren entlang der Fl\u00fcsse Inn, Prien und Tiroler Achen. Wer Ausblicke und Gipfelerlebnisse sucht, wandert hinauf zu den vielen Almen, wo nicht selten eine deftige Brotzeit angeboten wird, oder steigt hinauf zu den Gipfeln von Kampenwand, Hochries, Hochplatte, Hochgern und Hochfelln, die alle deutlich h\u00f6her als 1.000 m sind. Bergbahnen helfen beim \u00dcberwinden des H\u00f6henunterschieds. Die Umgebung von Chiemsee und Simssee ist ideal f\u00fcr Touristen, die sowohl mit dem Fahrrad fahren als auch wandern wollen.<\/p>\n<h4>Spuren der Eiszeit<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend der Eiszeit vor ca. 10.000 bis 20.000 Jahren flossen riesige Eisstr\u00f6me durch die Alpent\u00e4ler in Richtung Norden, der <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/die-groessten-gletscher-der-welt\/\">Inn-Gletscher<\/a> schob sich durch das heutige Inntal weit in das Alpenvorland hinaus. Sein &#8222;kleiner Bruder&#8220;, der Prien-Gletscher, sch\u00fcrfte das Priental aus. Parallel dazu schob sich der Chiemsee-Gletscher durch das Tal der Tiroler Achen ebenfalls in Richtung Norden.<\/p>\n<p>Diese Eismassen f\u00fcllten die T\u00e4ler fast bis zu den Gipfeln aus; als einer der wenigen ragte der <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.75944,12.56083\">Hochfelln<\/a> mit seinen 1.674 m aus dem Eisstrom heraus. Die Eiszungen transportierten im Eis gewaltige Mengen an Gesteinsmaterial. Im flachen Alpenvorland, wo das Eis auseinander floss, sammelte sich das mitgeschleppte Gestein am Eisrand. Es entstanden wallf\u00f6rmige Schuttmassen, die Mor\u00e4nenw\u00e4lle, die heute als H\u00fcgelketten die Landschaft pr\u00e4gen. Die Ratzinger H\u00f6he westlich von Rimsting ist ein solcher Mor\u00e4nenwall, durch den Inn- und Chiemseegletscher getrennt wurden. Auch die von weitem sichtbare Barockkirche von H\u00f6slwang steht auf einem rund 600 m hohen Mor\u00e4nenh\u00fcgel, beides sind heute sch\u00f6ne Aussichtspunkte mit Blick \u00fcber die Mor\u00e4nenz\u00fcge und die zahlreichen Seen. 17 gr\u00f6\u00dfere und kleine Seen geh\u00f6ren allein zum Naturschutzgebiet Eggst\u00e4tter-Hemhofer Seenplatte. Sie liegen in dem Gebiet, in dem Inn- und Chiemsee-Gletscher aneinander stie\u00dfen. Dabei wurden riesige Eisbl\u00f6cke abgetrennt und unter Mor\u00e4nenschutt begraben.<\/p>\n<p>Beim Abschmelzen dieser so genannten Toteisbl\u00f6cke entstanden Einsenkungen, die vom Grundwasser gef\u00fcllt wurden. Auch der Chiemsee ist ein \u00dcberbleibsel der Eiszeit. Der Chiemsee-Gletscher sch\u00fcrfte dort, wo er die Alpen verlie\u00df, ein tiefes Becken aus, das sich beim Abschmelzen des Gletschers mit Wasser f\u00fcllte. Urspr\u00fcnglich erstreckte sich der See bis zum Fu\u00df der Alpen, sein Spiegel lag 19 m h\u00f6her als heute. Im Rahmen einer von der Chiemseeagenda angebotenen Naturf\u00fchrung kann man sich auf die Suche nach dem alten Seeufer machen.<\/p>\n<h4>Fl\u00fcsse rund um den Chiemsee<\/h4>\n<p>Die drei T\u00e4ler, durch welche die Gletscher in Richtung Norden flossen, pr\u00e4gen die heutige Landschaft: das breite Tal des eingedeichten Inns, das im Unterlauf regulierte Tal der Tiroler Achen und das nicht regulierte Priental. Die Tiroler Achen &#8222;sammelt&#8220; auf dem 79 km langen Weg zwischen ihrer Quelle in den Alpen und ihrer M\u00fcndung in den Chiemsee bei Hirschau riesige Mengen von Feinmaterial und Kies, die dort ablagert werden, wo die Flie\u00dfgeschwindigkeit abnimmt: im Chiemsee. Dabei handelt es sich t\u00e4glich um rund 100 LKW-Ladungen Kies und Schlamm. Der Fluss verl\u00e4ngert dadurch seinen Lauf jedes Jahr um 5 bis 10 m, und das Delta w\u00e4chst st\u00e4ndig weiter in den Chiemsee hinaus. Dieses M\u00fcndungsgebiet gilt mit seinen vegetationslosen Kiesfl\u00e4chen und \u00fcppigen Auw\u00e4ldern als einzigartiges nat\u00fcrliches Binnendelta in Mitteleuropa und steht seit 1954 unter Naturschutz.<\/p>\n<p>Neben der Tiroler Achen ist die Prien der bedeutendste Zufluss des Chiemsees. Sie m\u00fcndet zwischen Prien und Rimsting in die Schafwaschener Bucht. Der Wildbach transportiert w\u00e4hrend der Schneeschmelze und nach starken Regenf\u00e4llen ebenfalls gro\u00dfe Mengen an Schwebstoffen und Ger\u00f6ll. Bleibt diese Zufuhr erhalten, wird die Bucht in etwa 200 Jahren verlanden.<\/p>\n<h4>Moose und Filzen<\/h4>\n<p>Die von der Tiroler Achen und kleineren Zufl\u00fcssen mitgef\u00fchrten Ger\u00f6llmassen lie\u00dfen den &#8222;Ur-Chiemsee&#8220; auf seine heutige Gr\u00f6\u00dfe schrumpfen. Vor allem im S\u00fcden des Chiemsees entstand zwischen dem &#8222;alten&#8220; Ufer auf H\u00f6he von Marquartstein und dem heutigen Ufer &#8222;neues&#8220; Land: Nach den Eiszeiten stiegen die Temperaturen, Pflanzen, vor allem Torfmoose und Sauergr\u00e4ser, wuchsen \u00fcppig, starben ab, sanken unter den Wasserspiegel, wo sie sich infolge von Sauerstoffmangel nicht vollst\u00e4ndig zersetzten, Torf begann zu wachsen. Diese so genannten Flachmoore, auch Moose genannt, sind abh\u00e4ngig vom Grundwasser.<\/p>\n<p>Dort, wo das Wachstum des Torfs weiter fortschreitet, das Flachmoor sich folglich in die H\u00f6he w\u00f6lbt und durch die inzwischen meterdicke Torfschicht vom Grundwasser abgetrennt wird, entsteht ein Hochmoor, in Bayern &#8222;Filz&#8220; genannt. Die Entwicklung von Hochmooren setzte vor rund 5.000 Jahren ein. Hochmoore sind f\u00fcr Pflanzen extreme Lebensr\u00e4ume. Saurer Untergrund, viel Wasser und wenig N\u00e4hrstoffe sind ung\u00fcnstige Voraussetzungen f\u00fcr die meisten B\u00e4ume, nur Birken und Kiefern, die meist verkr\u00fcppelt sind, wachsen hier. Einige Pflanzen haben sich an das Moor angepasst, z. B. der Sonnentau, der mit seinen klebrigen Bl\u00e4ttern kleine Insekten f\u00e4ngt und sich so zus\u00e4tzliche N\u00e4hrstoffe verschafft.<\/p>\n<p>Da sich getrockneter Torf gut zum Verbrennen eignet, wurde \u00fcber Jahrtausende Torf von Hand gestochen. Ab Mitte des 19. Jh. wurde Torf gro\u00dffl\u00e4chig mit Maschinen abgebaut und auch als Gartentorf verwendet. Es entstanden Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben und Feldbahnen. Um 1980 wurde diese industrielle Nutzung eingestellt und Moorgebiete unter Schutz gestellt.<\/p>\n<h4>Chiemsee \u2013 das bayerische Meer<\/h4>\n<p>Als <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/abkuehlung-auf-der-wanderung-die-schoensten-bergseen\/\">Badesee<\/a> lockt das &#8222;bayerische Meer&#8220; zahlreiche G\u00e4ste an, denn die Wassertemperaturen sind oftmals schon ab Mai und bis in den September hinein angenehm. Die Wasserqualit\u00e4t ist gut, und die flachen Ufer sind ideal f\u00fcr Kinder. Rings um den See bieten sich zahlreiche M\u00f6glichkeiten zum Baden, u. a. bei Breitbrunn, das mit dem Kailbacher- und dem M\u00fchlner Winkl den l\u00e4ngsten Uferbereich aller Chiemseegemeinden bietet: Im Ortsteil Stadl befindet sich ein sch\u00f6nes Strandbad mit gro\u00dfer Liegewiese, Kinderspielplatz und dem Strandpavillon &#8222;Cafe am See&#8220;. In Chieming lockt ein sechs Kilometer langes Badegel\u00e4nde mit flachen Ufern und freiem Zugang; Spielplatz und Kneippbecken liegen in Ufer n\u00e4he. \u00dcbersee wartet auf mit dem l\u00e4ngsten Natur- Badestrand Bayerns und gro\u00dfz\u00fcgiger Parklandschaft. In Prien kann man im Sommer zwischen Strandbad mit gro\u00dfem Kinderspielplatz und dem ganzj\u00e4hrig ge\u00f6ffneten Erlebnisbad Prienavera wechseln. Wer nicht nur schwimmen, sondern sich anderweitig sportlich bet\u00e4tigen m\u00f6chte, umrundet den Chiemsee zu Fu\u00df oder per Rad, lernt Segeln, Surfen oder Tauchen in einer der jeweiligen Sportart entsprechenden Schule, nutzt die ausgeschilderten Nordic-Walking-Strecken, z. B. in Aschau und Bernau, leiht sich ein Ruder- oder Tretboot an einer der Verleihstellen oder versucht sein Gl\u00fcck beim Angeln \u2013 aber erst nach Erwerb einer Angelkarte vor Ort, vorausgesetzt eine g\u00fcltige staatliche Fischereikarte ist vorhanden. Wer sich l\u00e4nger am See aufh\u00e4lt und plant, eine Rundfahrt auf dem Chiemsee zu machen, die historische Chiemsee-Bahn in Prien zu benutzen, mit der Kampenwandbahn zum Aussichtsgipfel zu schweben und sich im Erlebnisbad Prienavera zu erholen, f\u00fcr den empfiehlt sich der Kauf des &#8222;See-Gipfel- Tickets&#8220;, das zwei Jahre g\u00fcltig ist und mit dem man fast 30% spart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &#8222;Bayerische Meer&#8220;, der Chiemsee, ist zweifellos der bekannteste See am Fu\u00df der Chiemgauer Berge, aber nicht der einzige. Zahlreiche kleinere Seen schlie\u00dfen sich nach Norden an, entstanden als Folge der Eiszeiten und heute beliebte Badeseen, die man meistens zu Fu\u00df oder per Rad umrunden kann. 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