{"id":5372,"date":"2016-06-22T14:52:57","date_gmt":"2016-06-22T13:52:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=5372"},"modified":"2016-06-22T14:52:57","modified_gmt":"2016-06-22T13:52:57","slug":"spurensuche-am-seeufer-des-wolfgangsees","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/inspiration\/spurensuche-am-seeufer-des-wolfgangsees\/","title":{"rendered":"Spurensuche am Seeufer des Wolfgangsees"},"content":{"rendered":"<p>Kann ein See zum Star werden? Der\u00a0<a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=47.74389,13.41738\">Wolfgangsee<\/a> konnte es, und das gleich auf mehreren Ebenen: Schon in fr\u00fcheren Jahrhunderten z\u00e4hlte er zu den begehrtesten und umstrittensten Gew\u00e4ssern Mitteleuropas \u2013 als Spielball der Macht, als Faustpfand mittelalterlicher Kirchenpolitik. Anno domini 976 kam sein \u201eNamenspatron\u201d, der Regensburger Bischof Wolfgang, ins damals noch bairische Kloster Mondsee. Der umtriebige Kleriker erweiterte den Einfluss seiner Gastgeber alsbald Richtung S\u00fcden. Die Legende berichtet, er h\u00e4tte als Eremit in einem verborgenen Felstal gehaust, dort zahlreiche Wunder gewirkt und zuletzt seine Hacke fortgeschleudert, um damit den (vier Kilometer entfernten!) Bauplatz einer neuen Kirche festzulegen. In Wirklichkeit handelte es sich dabei wohl um die nachtr\u00e4gliche Legitimierung handfester Wirtschaftsinteressen bzw. die geschickte Christianisierung heidnischer Kultpl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Die Kunde von Wolfgangs Wundern verbreitete sich jedenfalls in halb Europa. Schon im 13. Jahrhundert hatte die Kirche gegen\u00fcber der m\u00e4chtigen Halbinsel, die den Wolfgangsee fast in zwei Teile scheidet, ihr Stammkloster am Mondsee weit \u00fcberfl\u00fcgelt. Aus aller Herren L\u00e4nder kamen die Pilger: Eine Landkarte aus der Bl\u00fctezeit der Wallfahrt zeigt den Namen St. Wolfgang in der gleichen Gr\u00f6\u00dfe wie Rom und Santiago de Compostella in Spanien. Wer sich ins <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/wanderkarte\/dest\/100146-salzkammergut\/\">Salzkammergut<\/a> aufmachte, um Vergebung seiner S\u00fcnden zu erflehen (und nebenbei meist die einzige gr\u00f6\u00dfere Abwechslung seines Lebens zu genie\u00dfen), lie\u00df ordentlich Geld f\u00fcr Unterkunft, Essen, Spenden und Kerzen im Land. Dies \u00a0kam auch dem S\u00fcdtiroler Michael Pacher zugute, der im Jahre 1481 \u2013 vermutlich mit seinem Bruder Friedrich, einem Maler \u2013 einen Schnitzaltar von fast \u00fcberirdischer Sch\u00f6nheit und Leichtigkeit f\u00fcr die Kirche vollendete. In sp\u00e4terer Zeit erg\u00e4nzten Thomas Schwanthaler und Meinrad Guggenbichler die Inneneinrichtung um barocke Kunstsch\u00e4tze.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich w\u00e4re es kaum einem der Pilger, die mit wachsender Vorfreude und maltr\u00e4tierten Beinen ihrem ersehnten Ziel entgegenschwitzten, eingefallen, im Wolfgangsee zu baden. Heute ist dies sehr empfehlenswert, vor allem beim gem\u00fctlichen Gasthof F\u00fcrberg (schmale Zufahrt von der Stra\u00dfe St. Gilgen \u2013 Mondsee kurz vor dem Krotensee), im Strandbad Ried oder am Badeplatz \u201eIntermezzo\u201d westlich von St. Wolfgang. Neben der herrlichen Sicht \u00fcbers Wasser zu den gegen\u00fcber aufragenden Gipfeln der Osterhorngruppe genie\u00dft man dort die Gewissheit, sich sozusagen auf historischem Terrain zu bewegen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund, sich um den Wolfgangsee zu streiten, lag im Waldreichtum seiner Umgebung. Die vorliegende <a href=\"https:\/\/www.kompass.de\/wanderkarte\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"1\" title=\"Wanderkarte\">Karte<\/a> zeigt ganz deutlich die kerzengerade \u201eSeidenfadengrenze\u201d zwischen St. Wolfgang (das zu Ober\u00f6sterreich geh\u00f6rt) und Strobl (im Salzburger Land). Mit ihrer Festlegung und der Einigung auf die komplizierte Grenzlinie rund um den Schafberg wurde ein Schlusspunkt unter jahrhundertelange, mitunter sogar blutig ausgetragene K\u00e4mpfe um das Holz f\u00fcr die Versiedung des Salzes gesetzt.<\/p>\n<p>Einen dieser Brennpunkte (in wahrsten Sinn des Wortes) bildete der Schwarzensee im Nordosten des Wolfgangsees: Das waldges\u00e4umte Ufer l\u00e4dt zum gem\u00fctlichen Spaziergang ein, seine S\u00fcdseite auch zum Schwimmen (der Nordteil ist den Fischern vorbehalten).<\/p>\n<p>Den dritten und endg\u00fcltigen Schub zum Kultstatus erhielt der Wolfgangsee schlie\u00dflich in j\u00fcngerer Zeit \u2013 und zwar durch eher simple Feststellungen wie \u201eIm Salzkammergut, da kann man gut lustig sein\u201d: Ein 1930 in Berlin uraufgef\u00fchrtes Singspiel von Ralph Benatzky (mit Schlagern von Robert Stolz und Bruno Granichstaedten) machte das \u201eWei\u00dfe R\u00f6ssl am Wolfgangsee\u201d weltber\u00fchmt; die darauf folgenden Verfilmungen taten ein \u00fcbriges. So z\u00e4hlt <a class=\"tour_destination_coord\" href=\"http:\/\/www.kompass.de\/touren-und-regionen\/touren\/?tour_destination_coord=48.21678,12.13305\">St. Wolfgang<\/a> bis heute zu den meistbesuchten Tourismus-Destinationen \u00d6sterreichs, und auch das \u201eWei\u00dfe R\u00f6ssl\u201d gibt es noch immer: Das Romantikhotel liegt direkt am See, der mit einem darin eingelassenen Spezial-Swimmingpool auch im Winter Badefreuden erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Nicht ganz so exklusiv, aber ebenso herzerfrischend ist ein \u201eSchwumm\u201d vor der \u201eBacherlwiese\u201d zwischen Strobl und St. Wolfgang. Einen besonders sch\u00f6nen Blick auf die weltbekannte Kulisse unter dem Schafberg bieten die Str\u00e4nde auf der Halbinsel Zinkenbach, der \u201eEisl\u201d in der Ortschaft Abersee und der Badeplatz beim Parkplatz an der Schiffsanlegestelle Gschwendt. Und besuchen Sie auch das familienfreundliche Felmayerbad in Strobl \u2013 wenn m\u00f6glich am Abend, wenn genau gegen\u00fcber die Sonne hinter den Bergen versinkt. Sie k\u00f6nnen sogar alle Str\u00e4nde nacheinander ausprobieren, und zwar im Zuge einer auch historisch hochinteressanten \u201eWeitwanderung\u201d: Der neue, mit 16 thematischen Erlebnisstationen bereicherte Seerundweg \u201eNatur + Kultur\u201d verbindet sie alle miteinander!<\/p>\n<p>Kulturerlebnis und Wasserspa\u00df lassen sich nat\u00fcrlich auch am Mondsee gut verbinden: Auf dem bewaldeten Kolomannsberg erinnert eine h\u00f6lzerne Kirche \u2013 die letzte ihrer Art in \u00d6sterreich \u2013 an einen der ersten Missionare in diesem Gebiet. Gleich hinter dem Alpenseebad Mondsee erhebt sich die einstige Stiftskirche St. Michael, der Kristallisationspunkt des bereits im Jahre 748 gegr\u00fcndeten Klosters und damit der bairischen Kolonisierung des Mondseelandes. Wohl nicht alle Badeg\u00e4ste wissen, dass sie hier gleichsam in urgeschichtlicher Tradition plantschen: Seit 1872 fand man hier tausende Fundst\u00fccke von Pfahlbausiedlungen, sodass die Historiker f\u00fcr den Zeitraum zwischen 2800 und 1800 v. Chr. den Begriff \u201eMondseekultur\u201d etablierten. Dessen eingedenk steigen Sie am besten am Badeplatz bei St. Lorenz oder bei Loibichl, gleich unterhalb der Autobahn-Raststation Mondsee, ins Wasser: Eine sch\u00f6ne Wohnlage mit Blick zur schroffen Drachenwand hatten sie ja, die Mondseer Urmenschen! Oder Sie begeben sich noch weiter ostw\u00e4rts, zum Abfluss der Seeache Richtung Unterach am Attersee: Wer einmal vor dem Gasthof mit dem einpr\u00e4gsamen Namen \u201eSee\u201d baden gegangen ist, wird den Blick zur steilen Felsstirn der Drachenwand bestimmt nicht mehr vergessen (und sich auch gern an die kulinarischen K\u00f6stlichkeiten erinnern).<\/p>\n<p>Historisch interessierte Wassergenie\u00dfer werden schlie\u00dflich auch den Fuschlsee gern ins Auge fassen. Hoch \u00fcber seinem Ostufer sind die Reste der Burg Wartenfels zu erkennen: Dort wachten einst die Ministerialen der Salzburger Erzbisch\u00f6fe strengen Auges \u00fcber ihren Anteil am Salzkammergut. Sp\u00e4ter zogen sie ins Tal \u2013 vielleicht war ihnen auch der Weg zum Seeufer zu weit? Dort locken heute zahlreiche Badem\u00f6glichkeiten \u2013 vom feinen Strandbad in Fuschl \u00fcber den sch\u00f6nen Badeplatz beim Wesenauer Hof bis zum Naturbadestrand der Gemeinde Hof auf der Westseite, wo ein langer Steg zum tieferen Wasser f\u00fchrt und nebenbei einen herrlichen Blick auf die Fuschler Bergumrahmung bis hin zum Schafberg verschenkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann ein See zum Star werden? Der\u00a0Wolfgangsee konnte es, und das gleich auf mehreren Ebenen: Schon in fr\u00fcheren Jahrhunderten z\u00e4hlte er zu den begehrtesten und umstrittensten Gew\u00e4ssern Mitteleuropas \u2013 als Spielball der Macht, als Faustpfand mittelalterlicher Kirchenpolitik. Anno domini 976 kam sein \u201eNamenspatron\u201d, der Regensburger Bischof Wolfgang, ins damals noch bairische Kloster Mondsee. 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Im Salzkammergut kann man sie sogar beim Schwimmen nachvollziehen.","subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5372"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5372"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5372\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5374"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kompass.de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}