{"id":4367,"date":"2016-03-23T08:50:09","date_gmt":"2016-03-23T07:50:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kompass.de\/?p=4367"},"modified":"2019-07-30T08:54:19","modified_gmt":"2019-07-30T06:54:19","slug":"die-richtige-vorbereitung-fuer-hochtouren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kompass.de\/magazin\/ratgeber\/die-richtige-vorbereitung-fuer-hochtouren\/","title":{"rendered":"Die richtige Vorbereitung f\u00fcr Hochtouren"},"content":{"rendered":"<p>Hochtouren gelten als die K\u00f6nigsdisziplin des Bergsteigens. Wer plant, die h\u00f6chsten Gipfel \u00fcber einen Gletscher zu besteigen, der sollte sich sehr gut vorbereiten. Wir geben euch einige Tipps, wie ihr euch sinnvoll auf euer Berg-Projekt vorbereitet und was ihr beachten m\u00fcsst, wenn ihr eure allererste Hochtour macht.<\/p>\n<h4>Kurs zur alpinen Grundausbildung<\/h4>\n<p>Wer noch nie eine Hochtour gegangen ist, sollte im Vorfeld generell einen alpine Grundausbildung im Feld und Eis absolvieren, denn vor allem das Eis birgt bei einer Hochtour gro\u00dfe Gefahren. Bei den meist eint\u00e4gigen Kursen lernt man von erfahrenen Bergsteigern, wie Selbstsicherung und Partnersicherung funktioniert, was ein Anseilknoten und ein Halbmastwurf ist, wie man sich mit Steigeisen auf dem Eis fortbewegt und auch Wetter- und Gel\u00e4ndekunde stehen auf dem Lehrplan. Au\u00dferdem wird der Spaltensturz und die Bergungstechnik ge\u00fcbt, damit man im Notfall wei\u00df, wie man reagieren muss. Diese Kurse werden von den einzelnen Sektionen der Alpenvereine angeboten, sie k\u00f6nnen oftmals aber auch bei lokalen Bergf\u00fchrern in den Alpen gebucht werden. Eine solche alpine Grundausbildung ist f\u00fcr eine erfolgreiche und sichere Hochtour unerl\u00e4sslich. Und auch nach dem absolvierten Kurs m\u00fcssen die Abl\u00e4ufe immer wieder ge\u00fcbt werden, damit sich bei der Tour und im Falle eines Unfalls immer sofort abrufbar sind. Ebenso solltet ihr das Gehen mit Steigeisen mehrmals \u00fcben, sodass ihr euch nicht selbst auf die F\u00fc\u00dfe tretet, sich die Zacken in eurer Hose verfangen oder ihr stolpert.<\/p>\n<h4>K\u00f6rperliche Fitness ist <strong class=\"recommended\">essenziell<\/strong><\/h4>\n<p>Neben der entsprechenden Theorie und dem n\u00f6tigen Wissen \u00fcber Sicherheit und Spaltenbergung ist aber vor allem auch die eigene Fitness und Leistungsf\u00e4higkeit ausschlaggebend daf\u00fcr, ob man den Gipfel erreicht. Eine gute k\u00f6rperliche Fitness kann au\u00dferdem vor Unf\u00e4llen sch\u00fctzen, die bei Hochtouren meist beim Absteig passieren und eine Folge von Erm\u00fcdung sind. Daher ist es wichtig, schon einige Zeit vor der geplanten Hochtour mit dem Training und Konditionsaufbau zu beginnen. Daf\u00fcr eignen sich so gut wie alle Ausdauersportarten. F\u00fcr eine Hochtour in den Alpen m\u00fcsst ihr meist mit einer Belastungsdauer von sechs bis zw\u00f6lf Stunden rechnen. Damit euch nicht schon nach wenigen H\u00f6henmetern die Kraft ausgeht, solltet ihr in den Wochen der Vorbereitung mindestens zwei bis drei Mal trainieren. Am besten ist es nat\u00fcrlich, wenn ganzj\u00e4hrig trainiert und nicht erst kurz vor der Wanderung mit dem Training begonnen wird. Ein kurzfristiges Training kann die Leistungsf\u00e4higkeit meist nicht wirklich verbessern.<\/p>\n<p>Die Trainingseinheiten sollten nicht k\u00fcrzer als drei\u00dfig Minuten sein. Ideal sind drei Einheiten pro Woche von 30 bis 60 Minuten Dauer bei etwa 65 bis 75 Prozent eurer maximalen Herzfrequenz. Wie bestimmt ihr die maximale Herzfrequenz? Versucht euren Puls so hoch wie m\u00f6glich zu bekommen. Daf\u00fcr eignen sich ein kurzer Sprint am Berg oder Treppensteigen. Messt dann eure Herzschl\u00e4ge pro Minute \u2013 das Ergebnis betr\u00e4gt etwa 95 Prozent eurer maximalen Herzfrequenz. Mit dieser Basis k\u00f6nnt ihr ganz leicht ausrechnen, wo eure ideale Trainingsherzfrequenz liegt. Um diese beim Training immer leicht kontrollieren zu k\u00f6nnen, tragt ihr am besten einen Herzfrequenzmesser. Alternativ k\u00f6nnt ihr auch an eurer Halsschlagader zehn Sekunden lang die Pulsschl\u00e4ge messen und diesen Wert mit sechs multiplizieren.<\/p>\n<p>Als Vorbereitung eigenen sich Sportarten wie Jogging, Nordic Walking und Bergwandern nat\u00fcrlich am besten. Diese beanspruchen genau die Muskulatur, die ihr dann auch bei der Hochtour ben\u00f6tigt. Aber auch mit Radfahren, Skilanglauf oder Schwimmen k\u00f6nnt ihr an eurer Kondition arbeiten. Ebenso sind Spazierg\u00e4nge oder leichte Wanderungen mit einem kleinen H\u00f6henunterschied ideal als Einstieg in die Bergsaison. \u00dcbertreibt es jedoch nicht mit dem Training, absolviert lieber w\u00f6chentlich mehrere kurze Trainingseinheiten statt einem langen Training und legt zwischendurch immer wieder Ruhetage ein. Zur optimalen Vorbereitung geh\u00f6rt auch die langsame Steigerung der Belastung. Das hei\u00dft, die Anzahl der Trainingseinheiten pro Woche sowie deren Dauer werden allm\u00e4hlich erh\u00f6ht.<\/p>\n<h4>Ausreichende Akklimatisierung<\/h4>\n<p>Um bei der Hochtour nicht h\u00f6henkrank zu werden, muss einige Tage vor der Tour eine H\u00f6henanpassung erfolgen. Wer einen <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/viertausender-fuer-einsteiger\/\">Viertausender<\/a> besteigen m\u00f6chte, sollte im Vorfeld am besten mehrere Touren in der H\u00f6he von 2.500 bis 3.500 Metern unternehmen. Auch das \u00dcbernachten in etwa 2.500 Metern H\u00f6he beg\u00fcnstigt die Akklimatisierung. Was bei der Akklimatisation jedoch nicht z\u00e4hlt, ist der schnelle H\u00f6henanstieg bei der Fahrt mit einer Seilbahn \u2013 die H\u00f6henmeter muss man selbst bew\u00e4ltigen, um den K\u00f6rper langsam an die d\u00fcnnere Luft zu gew\u00f6hnen. Um das individuell ben\u00f6tigte Ma\u00df an <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/bessere-akklimatisierung-im-hochgebirge-dank-gemuesesaft\/\">Akklimatisierung<\/a>, der idealen Geschwindigkeit und Dauer der Anpassung herauszufinden, ben\u00f6tigt es ein wenig Erfahrung. Jeder Bergsteiger muss seine eigene H\u00f6hentauglichkeit und Akklimatisationsgeschwindigkeit austesten.<\/p>\n<h4>Steigeisen, Eispickel und die richtige Ausr\u00fcstung<\/h4>\n<p>F\u00fcr eine Hochtour ben\u00f6tigt man au\u00dferdem eine andere Ausr\u00fcstung als f\u00fcr eine normale Wanderung. Ohne Eispickel, Steigeisen und hochgeschlossene, stabile Hochgebirgsschuhe braucht man sich gar nicht erst auf den Weg \u00fcber einen <a href=\"http:\/\/www.kompass.de\/die-groessten-gletscher-der-welt\/\">Gletscher<\/a> zu machen. Liegt genug Schnee auf dem Eis, sind Steigeisen nicht immer n\u00f6tig, doch sobald es freiliegt, sind die spitzen Zacken unter den Schuhen unerl\u00e4sslich. Auch der Eispickel geh\u00f6rt unbedingt dazu \u2013 nicht nur, um sich an Steilh\u00e4ngen zu st\u00fctzen und zu sichern, bei Spaltenbergung kommt er zus\u00e4tzlich als Sicherung zum Einsatz. Die Bergstiefel m\u00fcssen bei Gletscherquerungen immer steigeisenfest sein, an normalen Wanderschuhe k\u00f6nnen die Steigeisen nicht richtig befestigt werden. Der steigeisengeeignete Wanderschuh zeichnet sich durch seine Steifheit und die Haltepunkte f\u00fcr die Steigeisen an der Sohle aus.<\/p>\n<p>Wie auch bei normalen Wanderungen solltet ihr darauf achten, dass eure Kleidung atmungsaktiv und zugleich wind- und wasserfest ist. Falls ihr in den kalten Morgenstunden aufbrecht, k\u00f6nnt ihr euch zun\u00e4chst mit dem Zwiebelprinzip warm anziehen und habt so die M\u00f6glichkeit, eine Jacke oder einen Fleece auszuziehen, wenn sp\u00e4ter die Sonne hinter den Gipfeln aufgeht. Es ist schon warm, wenn ihr in Richtung Gipfel startet? Dann denkt trotzdem daran, ausreichend warme und wetterfeste Kleidung im Rucksack mitzunehmen, denn im Gebirge kann es schnell zu Wetterumschw\u00fcngen kommen. Zus\u00e4tzlich geh\u00f6ren bei Hochtouren immer Handschuhe und eine M\u00fctze mit ins Gep\u00e4ck. Bei Gletscher\u00fcberschreitungen solltet ihr immer eine Gletscherbrille oder eine geeignete Sonnenbrille tragen, damit ihr eure Augen sch\u00fctzt und nicht schneeblind werdet. Auch an ausreichend Proviant und Wasser m\u00fcsst ihr unbedingt denken.<\/p>\n<p>Zur richtigen Vorbereitung auf eine Hochtour geh\u00f6rt auch die Suche nach Seilschaftspartnern. Einen Gletscher sollte man nie alleine \u00fcberschreiten, sondern immer in einer Seilschaft\u00a0 \u2013 am besten als Dreierseilschaft. Denn ist man zu dritt unterwegs, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Spaltensturz gehalten wird, wesentlich gr\u00f6\u00dfer als bei einer Zweierseilschaft. Je nach Gr\u00f6\u00dfe der Gruppe bewegt man sich an Klettergurten angeseilt im Abstand von einigen Metern \u00fcber das Eis. Falls ihr noch nie eine Hochtour unternommen habt, schlie\u00dft ihr euch einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe mit mehreren erfahrenen Bergsteigern an. Kommt es zu einem Spaltensturz k\u00f6nnen die anderen Mitglieder der Seilschaft schnell reagieren, den Sturz stoppen und den Gest\u00fcrzten hochziehen. Hier macht sich dann auch die alpine Grundausbildung bezahlt, wenn man wei\u00df, wie man am schnellsten und besten reagiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hochtouren bricht man nach M\u00f6glichkeit immer fr\u00fch auf. Je nach Tour kann es schon mal erforderlich sein, bereits gegen vier oder f\u00fcnf Uhr nachts loszulaufen. Dies dient vor allem der Sicherheit. In den Morgenstunden sind die Firnh\u00e4nge noch hart gefroren, der Aufstieg ist einfacher und die Gefahr eines Lawinenabgangs ist geringer. Bei fr\u00fchzeitigen Aufbruch erreicht man den Gipfel meist zur Mittagszeit. Dort sollte man sich jedoch nicht allzu lange aufhalten und z\u00fcgig mit dem Abstieg beginnen. Denn sobald die Sonneneinstrahlung zunimmt, kann es zu Steinschl\u00e4gen und Schneeabg\u00e4ngen kommen, das Eis auf dem Gletscher wird weicher und das Risiko eines Spaltensturzes steigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hochtouren gelten als die K\u00f6nigsdisziplin des Bergsteigens. Wer plant, die h\u00f6chsten Gipfel \u00fcber einen Gletscher zu besteigen, der sollte sich sehr gut vorbereiten. Wir geben euch einige Tipps, wie ihr euch sinnvoll auf euer Berg-Projekt vorbereitet und was ihr beachten m\u00fcsst, wenn ihr eure allererste Hochtour macht. Kurs zur alpinen Grundausbildung Wer noch nie eine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":4368,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[462,463,830,13,831,265,121,59,92,106,39,40],"leadtext":"<p>F\u00fcr eine Hochtour bedarf es einer guten Vorbereitung. 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